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In Reichstädt stand eine Wasserburg

Sicherlich wird jetzt die Frage gestellt, wo soll das denn gewesen sein? Oder gar darauf geantwortet – „So ein Quatsch!“ Noch vor wenigen Monaten hätten wir eben diese Frage auch gestellt oder ebenso die Aussage eher ins Reich der Märchen verwiesen. Burgen verschwinden selten vollständig, weder in der Natur noch in den Schriften, auch nach Jahrhunderten lassen die Überreste erkennen, wo diese standen bzw. zeugen Urkunden und dergleichen von deren Existenz. An dieser Stelle sei aber angemerkt, dass man sich eventuell von seiner Vorstellung einer Burg und insbesondere Wasserburg, lösen muss. Eine Burg ist groß, aus massivem Stein erbaut, weithin sichtbar und eine Wasserburg steht, klar, am Wasser. Vorzugsweise einem großen Fluss oder See. Nein - eben nicht unbedingt! Burgen, auf die diese Eigenschaften vollständig zutreffen, finden wir zweifelsfrei zu Hauf in deutschen Landen. Die meisten Burgen waren im frühen Mittelalter sehr oft zunächst aus Holz und erst später aus Stein errichtet, und glichen eher einem großen Haus. Wobei groß im Sinne eines heutigen Einfamilienhaus zu verstehen ist.

 

 

So oder zumindest so ähnlich könnte das Anwesen ausgesehen haben.

Bezogen auf Reichstädt sprechen wir mit großer Wahrscheinlichkeit von einer aus Holz erbauten kleinen Burg bzw. befestigten Anlage aus ein bis vier Gebäuden, die durch eine hölzerne Umzäunung begrenzt war. Die Burg war von einem künstlichen Wassergraben (Waal) umgeben, der durch die Sprotte mit Wasser gespeist wurde. Den Durchmesser der gesamten Anlage kann man auf 46 Meter schätzen. Die spannende Frage ist nun, wo denn die Burg gestanden haben soll? Nach einer Urkatasterkarte von Simon Carl Eugen Wagener aus dem Jahre 1808, befand sie sich zwischen der Sprotte und der Hauptstraße, etwa auf Höhe der Häuser in denen jetzt die Familien Pitzschler und Strauß wohnen.

Ausschnitt aus der Urkatasterkarte mit Anmerkungen der Verfasser
(© Thüringer Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Katasterbereich Zeulenroda)

Heute sind keinerlei Spuren mehr zu finden. Ältere Einwohner kennen aber wohl den Begriff "Waal" und ordneten diesen in die Nähe des Mühlteiches. Inwieweit noch weitere Informationen erforscht werden, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Zumindest haben wir ein weiteres Puzzle zur Geschichte des Ortes Reichstädt gefunden.
Wer diese Karte im Original oder weitere Karten und Fotos anschauen möchte, hat noch bis 31. Januar 2011 Zeit. Sie sind zu finden in der Ausstellung „Das alte Schloss sehn wir noch heut…“ auf der Burg Posterstein.

Direktlink

Werner und Enrico Neunübel, November 2010

 
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